Betrug auf Dating-Portalen - Online-Abzocke mit großen Gefühlen

basenji

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Online-Abzocke mit großen Gefühlen
Betrug auf Dating-Portalen Online-Abzocke mit großen Gefühlen
Immer wieder werden Menschen auf Dating-Plattformen zu Opfern von Betrugsmaschen. Die Polizei in Friedberg stellt eine Auswahl von Fällen vor - und mahnt zur Vorsicht.

06.04.2017 13:10 Uhr

Das Polizeipräsidium Mittelhessen warnt mit einer Auflistung von Fällen vor Betrügern, die Menschen auf der Suche nach einer Liebesbeziehung um ihr Vermögen bringen wollen. „Lovescamming“ nennen Ermittler diese Vorgehensweise. Auf Dating-Plattformen im Internet sind immer wieder Täter unterwegs, die ihre Opfer ausnutzen, nachdem sie ihr Vertrauen gewonnen haben. Auch in Hessen gelingt das immer wieder, wie die Auswahl der Fälle belegt:

Im Internet lernte ein Senior aus der Wetterau eine angebliche britische Staatsbürgerin kennen, die vorgab, sich beruflich in Kenia aufzuhalten. Der Mann selbst steht laut Polizei mitten im Leben, ist sogar ein Fachmann in Sachen IT. Doch auch er fiel auf die gut gemachte Betrügerei herein. Der Senior verliebte sich und überwies schließlich in mehreren Transaktionen nahezu 12.000 Euro an eine kenianische Bank, um der finanziell in Not geratenen Frau zu helfen. Das Geld wird er wohl nicht wieder sehen.

Finanznöte auf der Bohrinsel
Rund 26.000 US-Dollar (umgerechnet etwa 23.000 Euro) überwies eine 57-jährige Bürokauffrau im Sommer vergangenen Jahres nach Amerika. Über eine Online- Kontaktbörse hatte sie den Mann kennengelernt, der angeblich auf einer Ölbohrinsel in Kanada bei einem millionenschweren Projekt in Schwierigkeiten geraten war. Die Kinder machten ihre Mutter schließlich darauf aufmerksam, dass sie zum Opfer eines „Lovescamming“-Betruges geworden war.

Nach Ghana ging das Geld einer 48-jährigen Angestellten Anfang letzten Jahres. Über eine Dating-Plattform nahm der Betrüger Kontakt zu ihr auf, an den sie per Western Union mehrere kleine Geldbeträge übermittelte. Rund 2400 Euro waren es schließlich. Der Täter ließ zudem Mobiltelefone an ihre Anschrift liefern, die sie nach Ghana weiterleiten musste. Einen Geburtsort in Hamburg und Wohnort in Kanada täuschte der Betrüger vor, mit dem die Angestellte auch die Passdaten tauschte. Bei einem angeblichen Urlaub in Ghana benötigte er dann schließlich Geld für einen Flug, ein Hotel, Arztkosten und weitere erfundene Probleme. Im Briefkasten der Arzthelferin landeten indes Mahnungen für angeblich abgeschlossene Mobilfunkverträge. Bei der Geschädigten blieben bis zum Schluss Zweifel, ob es sich um einen Betrüger oder einen echten Freund mit Problemen handelte.

Einer 52 Jahre alten Arzthelferin täuschte ein angeblicher UNO-General-Sekretär via Facebook Anerkennung und Zuneigung vor und stellte ihr in Aussicht sie aus dem Irak besuchen zu kommen, wo er sich aktuell zu einer Mission der Vereinten Nationen zur Friedenssicherung aufhalte. Rund 2500 Euro überwies die Wetterauerin im letzten Jahr auf ein Konto in Italien, um den Urlaub aus der geheimen Mission für den vermeintlichen Freund zu zahlen, da dieser selbst nicht an sein Geld käme. Noch dazu füllte sie diverse Formulare mit persönlichen Daten aus und gab eine Kopie ihres Ausweises weiter, um den Urlaubsantrag des vermeintlichen General-Sekretärs zu unterstützen. Erst als die Kinder das angebliche Portraitbild des Freundes im Internet einer anderen realen Person zuordnen konnten, bemerkte die Mutter den Betrug.

Als Warenagentin missbraucht
Als sie im April vergangenen Jahres zwei Schreiben einer Anwaltskanzlei erhielt, wurde eine 47-jährige Pflegerin stutzig. Die Frau wurde in den Briefen aufgefordert, Mobilfunkrechnungen zu begleichen. Über Skype stand sie in Kontakt mit einem Mann, den sie zufällig in Frankfurt kennengelernt hatte. Er hatte ihre Daten genutzt, um Verträge über sie abzuschließen und Pakete an sie zuzustellen, die später nach Ghana weitergeleitet wurden. Die Pflegerin selbst bemerkte lange nicht, dass sie ausgebeutet wurde. Dies wurde ihr wohl erst bei der Vernehmung durch die Polizei klar, als sie selbst in den Verdacht geriet, eine Straftat begangen zu haben. Letztlich fungierte sie als Warenagentin für die Betrüger arbeitete und geriet so selbst ins Visier der Ermittler.

Erst vor wenigen Tagen erstattete ein 60-Jähriger Systemadministrator Anzeige bei der Polizei. Er hatte über ein Dating-Portal eine angeblich aus Ungarn stammende Frau kennengelernt. Mit der Immobilie ihres verstorbenen Mannes gab es angeblich Schwierigkeiten, so dass der Wetterauer sie mit einer Zahlung von 3500 Euro auf ein Konto in Großbritannien unterstützte. Um ihre Geschichte glaubhaft zu machen, übermittelte die Frau auch ein angebliches Dokument einer tatsächlich existierenden Anwaltskanzlei aus Deutschland. Das aber stellte sich als gefälscht heraus. Die vermeintliche Notlage weckte laut Polizei den Helferinstinkt bei dem Wetterauer, der sich nach dem Bemerken des Betruges nach eigenen Angaben ausgenutzt und betrogen vorkam.

Die Polizei warnt vor diesen und ähnlichen Betrugsmaschen auf den einschlägigen Portalen. Misstrauen sei angebracht, wenn beim Chat-Partner etwa Geld für eine dringende Operation benötigt wird, die Schulden für eine Immobilie des verstorbenen Mannes drücken oder das Flugticket für einen Besuch bezahlt werden will. (gna, mit Material der Polizei Mittelhessen)
 
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