Ercan Findikoglu: Cyber-Bankräuber in den USA zu 8 Jahren Haft verurteilt

Sophie

Samurai
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/...raeuber-in-den-usa-vor-gericht-a-1134052.html

Ercan Findikoglu: Cyber-Bankräuber in den USA zu acht Jahren Haft verurteilt
55-Millionen-Dollar-Raub Meisterhacker zu acht Jahren Haft verurteilt

Mit manipulierten Kreditkarten räumten kriminelle Hacker Tausende Geldautomaten aus. Deutsche Behörden hatten den mutmaßlichen Drahtzieher an die USA ausgeliefert - dort ist er nun zu einer Haftstrafe verurteilt worden.



SPIEGEL ONLINE

Freitag, 10.02.2017 21:15 Uhr
Vor zwei Jahren wurde er von der deutschen Justiz an die USA ausgeliefert. Nun ist der Hacker Ercan Findikoglu schuldig gesprochen worden. Der 35-Jährige muss für acht Jahre ins Gefängnis. Dieses Urteil verkündete ein Gericht am Freitag in New York.

Die Staatsanwaltschaft war zunächst von 60 Jahren Haft ausgegangen. Findikoglu wird dafür verurteilt, als Drahtzieher drei internationale Finanzverbrechen durchgeführt und dabei mit seinen Komplizen rund 55 Millionen Dollar erbeutet zu haben. Der Raubzug gilt als eines der größten bekannten Cyberverbrechen.

Den Anklägern zufolge hatten sich Findikoglu und dessen Komplizen zwischen 2011 und 2013 Zugang zu den Computern mehrerer Geldinstitute verschafft, um Prepaid-Kreditkarten zu manipulieren.

Eigentlich funktionieren diese Karten nur, wenn man zuvor Geld darauf lädt. Sobald kein Guthaben mehr auf der Karte hinterlegt ist, kann man damit nicht mehr einkaufen oder Bargeld aus Automaten ziehen. Doch die kriminellen Hacker haben offenbar den Schutzmechanismus auf den Servern der Banken ausgehebelt. Findikoglu soll dann die Pin-Codes der manipulierten Karten an Komplizen geschickt haben, die damit dann Geldautomaten ausräumten.

5000 Geldautomaten in 20 Ländern geräumt
Allein bei einem Raubzug im Februar 2013 erbeuteten die Hacker auf diese Weise in New York 2,4 Millionen Dollar. Sie brauchten dafür zehn Stunden. Dafür seien die Komplizen in Manhattan ausgeschwärmt, um jeweils mehrere Tausend Dollar pro Automat abzuheben.

Bereits zwei Monate zuvor soll die Bande laut den Gerichtsakten 5000 Geldautomaten in 20 Ländern ausgeräumt haben. Dabei hoben die Diebe fünf Millionen Dollar ab. Ein Prozent der Beute sei an Findikoglu überwiesen und über Strohmänner in der Türkei, Rumänien und der Ukraine an ihn übergeben worden.

Ercan Findikoglu hatte es lange geschafft, sich der Strafverfolgung zu entziehen. Laut Gerichtsakten habe er seine Spuren im Netz verwischt und sich von den USA und europäischen Ländern ferngehalten, um keine Auslieferung zu riskieren. Einem Komplizen habe er demnach geraten, auf keinen Fall in die USA zu reisen. Mit den Worten "Du wirst verhaftet werden" wird der Hacker zitiert.

Überführt durch Hotel-WLAN
Erst als er vor einigen Jahren nach Deutschland reiste, wurde er enttarnt. Ein Kronzeuge hatte gegen ihn ausgesagt. Mit diesen Informationen kam ihm der amerikanische Secret Service auf die Schliche. Im Dezember 2013 wurde Findikoglu in Frankfurt erwischt, weil er im Hotel-WLAN seine Emails bagerufen hatte. Die Polizei stellte in seinem Hotelzimmer ein Notebook, mehrere Handys sowie Sim-Karten sicher. Außerdem hatte er Bargeld im Wert von etwa 14.000 Euro bei sich.

Bei seiner Auslieferung im Juni 2015 hatte Findikoglu zunächst auf nicht schuldig plädiert. Im März vergangenen Jahres gestand er vor dem US-Gericht jedoch, als Drahtzieher unerlaubt auf Computernetzwerke zugegriffen und den Kreditkartenbetrug geplant zu haben.

Sein Anwalt beschreibt Findikoglu als intelligenten Mann, der sich als Jugendlicher in Internet-Cafés zurückzog, um seiner kranken Mutter und seinem gewalttätigen Vater auszuweichen. Findikoglu habe seine Computerfähigkeiten beim türkischen Militär erweitert, dann aber sein Computerwissen missbraucht, um sich mit Betrügereien zu bereichern.

jbr/AP
 
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